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Am Holzhausenpark

Sinus Pilonidalis

(Steißbeinfistel, „Haarnestgrübchen“)

› Dr. med. Martin Stauder

Ursache

Der Sinus pilonidalis ist eine Fistelbildung über dem Steißbein. Die Ursache ist ungeklärt. Es gibt 2 akzeptierte Theorien:

  1. Die Theorie der angeborenen Sinus pilonidalis
    Laut dieser bleibt aus der Embryonalzeit ein Neuroporus (eine Öffnung am Ende eines Neuralrohres bzw. Nervenrohres) erhalten, das eine Verbindung zwischen Steißbeinspitze und Analrand (Afterrand) darstellt.
  2. Die Theorie der erworbenen Sinus pilonidalis
    Laut welcher die Steißbeinfistel durch das Eindringen von Haaren und Epidermis (die obere Hautschicht) entsteht. Begünstigende Faktoren sind in diesem Fall eine schlechte Hygiene und starke Behaarung in der Dammregion.

Anatomie

Es entsteht in der Gesäßfalte ein mit Epithel (Hautschicht) ausgekleideter Hohlraum als Gang zwischen Steißbeinspitze und Analrand (Afterrand). Dieser kann in Form einer Zyste abgekapselt sein und heißt Pilonidalzyste (Dermoidzyste) oder kann eine Verbindung nach außen haben und heißt dann Pilonidalfistel.

Einteilung

Es gibt folgende Verlaufsformen:

  1. Die blande Verlaufsform
    Die milde Form, die keine Entzündungszeichen aufweist. Hier kann man höchstens ein oder zwei kleine Fistelöffnungen (Porus) an der Haut feststellen.
  2. Der akut abszedierende Verlauf (vereiterte Fistel)
    Schwitzen, Reiben, raue Wäsche und starke Behaarung führen zur Infektion und Eiterbildung.
  3. Der chronisch fistelnde Verlauf
    Es finden sich keine akuten Entzündungszeichen, dafür aber eine dauerhafte Absonderung (Fistelsekretion) in Form von Eiter oder blutiger Flüssigkeit. Es besteht Juckreiz, die Unterwäsche wird mit Eiter oder Blut verschmiert.

Krankheitszeichen

Die meist betroffenen Patienten sind junge, stark behaarte Männer. Bei der akuten Form treten plötzlich Schmerzen, Schwellung und Rötung im unteren Bereich des Steißbeins zum After hin auf. Die Stelle ist stark Druckschmerz-empfindlich, das Sitzen wird deswegen unangenehm. Auf Druck kann sich Eiter oder blutige Flüssigkeit entleeren.

Diagnose

Die Diagnose ist auf Grund der Krankheitsgeschichte und Schilderung der Beschwerden relativ einfach. Es genügt eine einfache Untersuchung der Steißbeinregion, wodurch neben den Entzündungszeichen die winzigen Fistelöffnungen feststellbar sind.

Therapie

Die konservative Therapie (ohne Operation), die mit örtlicher Behandlung mittels Salben, Eisbeuteln oder Sitzbäder durchgeführt wird, sollte gemäß der modernen Medizin der Ausnahmefall sein. Nach Abklingen der akuten Entzündung muss auch in diesen Fällen eine operative Sanierung im Intervall vorgenommen werden.

Bei der chirurgische Therapie ist es wichtig, dass alle Fisteln im Bereich des Steißbeins operativ entfernt werden. Da sich hinter einer Steißbeinfistel sehr oft eine Dermoidzyste verbergen kann, sollte eine radikale Exzision (Ausschneiden) zur Vermeidung eines Rezidivs (erneutes Auftreten) durchgeführt werden. Um den genauen Fistelverlauf verfolgen zu können, ist es ratsam, vor der Operation Methylenblau über die Fistelöffnung zu spritzen. In dieser Weise färbt sich das gesamte Fistelgangsystem und sogar die Zystenhöhle, wenn vorhanden, an. Der Hautschnitt wird in ovaler Form um die Fistelöffnung(en) herum gesetzt. Die Fistel muss dann breit um schnitten werden. Die Schnittführung muss bis auf die Knochenhaut des Steißbeins reichen. Erst hier werden die Haut und das Fettgewebe mit dem Fistelkanal scharf von der Knochenhaut abgetrennt. Zur Sicherheit reseziere ich wenn nötig noch die Spitze des Steißbeines Das Abschaben des restlichen Gewebes von der Knochenhaut ist ein entscheidender Schritt, um das Auftreten eines Rezidivs zu vermeiden. Im nicht entzündetem Intervall strebe ich eine möglichst radikale, ausgedehnte Resektion des Fistelgangssystem mit anschließendem primärem Wundverschluss an, wobei eine sorgfältige postoperative Wundkontrolle notwendig ist. Der Vorteil legt in einer schnelleren Abheilung ,Verkürzung der postoperativen Schmerzphase und dadurch bedingten schnelleren Mobilisation des Patienten. Sollte sich ein akuter Abszess entwickelt haben, gehe ich zweitzeitig vor. In der ersten Sitzung wird der Abszess inzidiert und danach offen (Tamponaden, tägl. Verbandswechsel) zur Abheilung gebracht. Sind sämtliche Entzündungszeichen verschwunden erfolgt bei blanden Wundverhältnissen die o.g. Sanierung.

Prognose

Bei nicht ausreichend radikal genug durchgeführter Exzision ist die Rezidivrate hoch. Um das Auftreten eines Rezidivs zu verhindern, sollte für mindestens 1 Jahr eine Enthaarung im Narbenbereich durchgeführt werden. Bildmaterial prae-intra-postoperativ kann, gerne an Kollegen, per E-Mail zur Verfügung gestellt werden.